Hatz nach dem Glück
18.07.2008 00:00 by Erlanger Nachrichten
"English Dramatic Society" spielt Shakespeare
Traditionsgemäß zu Semesterende präsentierte die «English Dramatic
Society» (EDS) mit ihrem Bühnenstück in englischer Sprache - «A
Midsummer Night’s Dream» von William Shakespeare - einen wahren
Theaterklassiker, an dem sich die EDS in der Vergangenheit bereits
mehrfach probiert hat.
Drei Paare sind auf der Suche nach ihrem
Partnerglück, jedoch finden die Liebenden ihre Liebe auf fatalste Weise
unerwidert. Es geht um Liebe und Sexualität im komplexesten Sinne und
es sind gerade die Schattenseiten der Liebe, die in diesem Stück
beleuchtet werden. Unerhörte Liebe trifft auf erhörte, Triebhaftigkeit
explodiert unvermittelt in alle Richtungen und tabuisierte sexuelle
Begehrlichkeiten (homoerotische und sodomitische) blühen in den
verborgenen Sphären des Feenreiches, das von Oberon (genial gespielt
von Robin Pötke) und Titania (Alexandra Chlepas) beherrscht wird.
Nebenher rechnet Shakespeare in diesem Werk mit der Theaterkultur
seiner Zeit ab. Dies alles herauszufinden ist für den Zuschauer nicht
schwer, wenn man sich dem Stück unvoreingenommen und mit Fantasie
nähert. Genau das hat die Truppe um Kirsten Pohl getan und heraus kommt
eine erfrischende und unverstellte Sicht auf die Komödie.
«A
Midsummer Night’s Dream» ist eine spritzige, turbulente und witzige
Inszenierung, bei der das Publikum streckenweise eine wahre Hatz nach
dem Glück erlebt. Die jungen Paare, gestaltet von Svenja Weiß (Hermia),
Simone Albrecht (Helena), Christian Brockerhoff (Demetrius) und Andrew
Burke (Lysander), geraten streckenweise in echte Raserei. Sie agieren
mit großem körperlichen Einsatz und gestalten die charakterlichen
Feinheiten der Figuren in aller notwendigen Deutlichkeit.
Bärtiges Mannsbild
Die
reizvollste Rolle im Stück ist natürlich die des Puck (gespielt von
Thorsten Kroos). Dieser erscheint in diesem Stück nicht etwa als
androgyner Jüngling, sondern als bärtiges, Bier trinkendes Mannsbild,
das seinen Schabernack mit den verschiedenen Akteuren des Stücks
treibt. Die EDS, obgleich ein Laientheater, erstaunt abermals durch ein
hohes Maß an Professionalität und Ausstrahlung ihrer Darsteller. BEATE
WINDHORST
Weitere Aufführungen: heute um 20 Uhr im
Experimentiertheater, Bismarckstraße 1, sowie am 24. und 26. Juli,
jeweils um 21.15 Uhr, open air vor der Orangerie.

