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Lüge und Spielfreude

18.02.2011 00:00 by Erlanger Nachrichen

„English Dramatic Society“ spielt Oscar Wilde

Rehearsals for An Ideal Husband. Picture © Erlanger Nachrichten
Rehearsals for An Ideal Husband. Picture © Erlanger Nachrichten

Auch in diesem Jahr beschließt die „English Dramatic Society“ (EDS) unter der Leitung von Regisseurin Kirsten Henry traditionsgemäß das Wintersemester mit einem Bühnenstück in englischer Sprache.

Anders jedoch als in den Produktionen zuvor widmet sich die Amateurtruppe um Regisseurin Kirsten Henry im Experimentiertheater der Universität diesmal nicht einem Shakespeare-Stück, sondern wagt sich an Oscar Wildes Gesellschaftskomödie „An Ideal Husband“ („Ein idealer Gatte“).

Der ideale Gatte, das ist der erfolgreiche Abgeordnete Sir Robert Chiltern (gespielt von Ryan Forth), und zwar vor allem für seine Ehefrau Gertrude (Teresa Fritsch). Zusammen sind sie das Vorzeigepaar der High Society – moralisch absolut integer und prinzipienfest. Die Gefahr bei Idealen ist aber, dass sie zerstört werden können. In diesem Fall durch einen Brief, der dunkle Flecken auf Robert Chilterns weißer Weste zu Tage fördert.

Als junger, ehrgeiziger Mann verriet er ein Kabinettsgeheimnis an einen Börsenspekulanten und legte mit dem verbotenen Insidergeschäft den Grundstein für sein Vermögen und seine politische Karriere. Besagter Brief befindet sich nun in den Händen der ebenso attraktiven wie skrupellosen Mrs. Cheveley (überzeugend gespielt von Emily Neubauer), die nun versucht, Sir Robert Chiltern zu erpressen. Wo Erpressung im Spiel ist, sind Korruption, Bestechung und Lüge nicht weit. Das Intrigenspiel beginnt und besitzt so viel Aktualität wie vor mehr als hundert Jahren.

Positive Nebencharaktere

Und obwohl Robert Chiltern, seine Frau und Lord Goring im Mittelpunkt des Stücks stehen, fallen doch besonders die Nebencharaktere positiv auf – wie beispielsweise die äußerst geschwätzige Lady Markby (wunderbar gespielt von Inge Peterson) oder Robert Chilterns Schwester Miss Mabel Chiltern (gespielt von Alexandra Chlepas). Auch das Bühnenbild und die Kostüme treffen das Flair der Londoner „Upper Class“ um die Jahrhundertwende.

Insgesamt eine solide Darstellung, die jedoch bisweilen die Konventionen und Moralbegriffe der viktorianischen Zeit noch bissiger hätte treffen können. Dennoch gebührt den fast 30 Schauspielerinnen und Schauspielern ein großes Lob in punkto Spielfreude, die ja gerade den besonderen Reiz des Amateurtheaters ausmacht.

© Erlanger Nachrichten

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